Physiotherapie hat eine lange Tradition. Aus Bewegungstherapie entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Heilgymnastik und später die Krankengymnastik mit ihren unterschiedlichen Behandlungsmethoden.

 

Zuletzt wurde 1994 eine Änderung des Berufsrechts durchgeführt.

Für den Begriff „Krankengymnast/Krankengymnastin“ hat das

einschlägige Gesetz einen neuen Begriff „Physiotherapeut/Physiotherapeutin“

geprägt, der international üblich ist. Die Ausbildung zum Physiotherapeuten

dauert 3 Jahre und endet mit einem staatlichen Examen. In der Ausbildung

werden alle medizinischen Fachbereiche mit theoretischen und praktischen

Unterricht durchlaufen.

 

 

Einige Methoden der Physiotherapie sind der Menschheit schon seit frühgeschichtlichen Epochen bekannt. So zeigten Aufzeichnungen aus der Geschichte, dass die Menschen Mineral- und Thermalbäder schon damals genutzt und genossen haben. Schon in der Geschichte der chinesischen, germanischen und griechischen Kultur waren sowohl Bäder, als auch einfache Formen der Massage bekannt. Für diese Kulturen hatten die Praktiken jedoch nicht nur heilende Zwecke, sondern auch religiöse und rituelle.

 

 

In Deutschland übte der Landpfarrer Sebastian Kneipp, dessen Namen wohl jedem bekannt sein dürfte, regen Einfluss auf die Methoden der Therapie. Mit der Zeit fand die Thematik auch Einzug in die Wissenschaft und die Universitäten Wien, Berlin, München und Zürich beschäftigten sich mit den wissenschaftlichen Methoden.

Wenn wir „Krankengymnastik“ eng verwoben sehen mit den Begriffen „Leibesübungen“ und „Körperertüchtigung“, dann liegt eine Wurzel zur Entstehung der Physiotherapie in Deutschland bei dem Schweden Per Henrik Ling (1776- 1839), der damals in Stockholm das königliche gymnastische Zentralinstitut initiierte und seit 1813 auch leitete. Ling legte bei seiner medizinischen Gymnastik besonders großen Wert auf eigene Muskelaktivität der Patienten.

 

 

Auch der Berliner Orthopäde Albert C. Neumann (1803-1876) interessierte sich für Lings neue Gymnastik und eignete sich die Fähigkeiten bei einem Besuch in Stockholm an. Nach seiner Rückkehr aus Stockholm errichtete er in Berlin einen Kurssaal für Schwedische Heilgymnastik. Obwohl seinen Bestrebungen nach einem staatlichen Auftrag für die Ausbildung zur Gymnastin nicht entsprochen wurde, bildete er 1853 die ersten Gymnastinnen aus.

 

 

In den 1920er und 30er Jahren kam es dann zu weiteren Schulneubildungen und zeitgleich zur Ausweitung des Einsatzbereiches der Krankengymnastik über die Fachbereiche der Orthopädie und Chirurgie hinaus. Die Krankengymnastik entwickelte sich von der schwedischen Gymnastik mit den Primärelementen von Widerstands-, Spannungs- und Halteübungen weg, hin zu einer dynamischeren und auch entspannenderen Form der Gymnastik. In diese Zeit fallen die Etablierung neuer Behandlungsmethoden wie z. B. Atemgymnastik, Entspannungstherapie, Klappsches Kriechen, etc. “

 

Heute ist die Physiotherapie aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich in ihrer Vielfalt über Jahre als unverzichtbare Therapieform im Gesundheitswesen etabliert. Studien belegen, dass ohne eine effektive eingesetzte krankengymnastische Behandlung Heilungserfolge, z.B. in der Nachbehandlung von Verletzungen und Operationen häufig nicht zu erreichen sind.

 

 

Physiotherapie gestern und heute